NEAPEL SINGT

NEAPEL SINGT

ereits lange vor der Verbreitung einer einheitlichen Landessprache, fungierte die neapolitanische Kanzone, die sich als einziges Genre sowohl auf dem gesamten Stiefel als auch im Ausland großer Beliebtheit erfreute, als musikalischer Botschafter Italiens. Diese Liedgattung, Produkt eines Schaffensprozesses von Dichtern, Dramaturgen und Musikern und Konzentrat einer in ganz Europa etablierten Kultur, zeichnete sich durch eine besondere literarische und musikalische Qualität aus und hob sich bereits um die Jahrhundertwende durch eine erstaunliche stilistische Harmonie hervor - Tribut an jene „Liedform“, die bis dahin vorwiegend Opernarien und Romanzen kennzeichnete. In die neapolitanische Kanzone flossen sowohl Elemente der Oper und der Romanze als auch des Tanzes im Neunzehnten Jahrhundert und der Bauerngesänge ein. Dass Neapel „musikalisch” war, fiel bereits den ausländischen Bildungsreisenden auf - Schriftsteller, Maler und Musiker - die seit den Zeiten der Grand Tour die Stadt besuchten, über ihren besonderen Flair berichteten und so zum Entstehen eines Mythos beitrugen, der bis heute lebendig ist. Im Neunzehnten Jahrhundert galt Neapel als die unbestrittene Hochburg der leichten Muse und des Gesangs. Als die ehemalige Bourbonenhauptstadt infolge ihres Anschlusses an das neugeeinte Italien an Bedeutung verlor, war sie mit über vierhunderttausend Einwohnern die am dichtesten bevölkerte Stadt des Königreiches und, nach London, Paris und Istanbul, die viertgrößte Metropole Europas. Diese Vormachtstellung sollte sie für lange Zeit beibehalten und den entscheidenden Impuls zur Entstehung einer Volkskultur liefern, in der der Gesang - in perfektem Einklang mit Kunst und Handwerk, Verlagsgewerbe und Schallplattenindustrie, künstlerischer Kreativität und beruflicher Professionalität - eine zentrale Rolle spielte. Das Goldene Zeitalter der neapolitanischen Kanzone begann um 1880, als in der Stadt Druckereien und Verlage mit Hunderten von Schriftsetzern und Graveuren, Theater, Cafés, Restaurants und Festspielhäuser florierten, welche Neapel zu einer Art europäischem Vorläufer der Tin Pin Alley zu Jahrhundertbeginn machten, der Wiege des American Popular Songs. Zu den musikalischen Ikonen Neapels zählte sicherlich Enrico Caruso, weltberühmter Tenor und erster Schallplattenstar. Seine Blütezeit erreichte die klassische neapolitanische Kanzone in den Zwanziger Jahren; später sollten andere Stilrichtungen (vom Jazz bis hin zu lateinamerikanischen Tanzrhythmen) in das Genre einfließen und ihm so das Tor zur Moderne öffnen.
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