KANZONEN UND SCHLAGER

KANZONEN UND SCHLAGER

Im folgenden Kapitel wird – in Kurzfassung – das Genre der leichten Musik vorgestellt, das all jene Repertoires umfasst, welche in erster Linie dazu geschrieben und vermarktet wurden, den Zuhörer zu unterhalten, ihm die Flucht aus dem Alltag zu ermöglichen und zum Träumen anzuregen. Es stellt den umfangreichsten Teil der Anthologie dar, deckt sich partiell mit anderen Bereichen, nimmt jedoch nicht explizit Bezug auf Themen wie Tanz, Propaganda, patriotische Rhetorik und Krieg und unterscheidet sich auch von den beiden der regionalen Musikproduktion gewidmeten Abschnitten, (Dialekt und Folklore, Die neapolitanische Kanzone), da es sich vorwiegend mit in italienischer Schriftsprache verfasstem Liedgut beschäftigt. Der Begriff „Schlager” oder „Schnulzen“ deutet daraufhin, dass in der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts diese Produkte der damals aufstrebenden Unterhaltungsindustrie im Vergleich zum „Lied“ als „funktional minderwertig“ betrachtet wurden: Schlager galten als „Sorgenbrecher“, die eine flüchtige Zerstreuung boten und keinerlei Anspruch auf Realitätsbezug erhoben. Dies war keinesfalls ihr Zweck, und dementsprechend wurden, zumindest bis in die späten Fünfziger Jahre, Begriffe wie „Kunst“ und „Poesie“ im Zusammenhang mit diesem Genre weitgehend vermieden, wenn man einmal von der neapolitanischen Kanzone absieht. Dennoch maßen sich am äußerst breitgefächerten Schlagerrepertoire renommierte Interpreten und Komponisten der ersten Jahrhunderthälfte, welche zum Einen die Melodik und klangliche Harmonie der heimischen Traditionen (ein bedeutendes Erbe des Melodrams und der Romanze) wieder aufleben ließen, zum Anderen jedoch – im Zuge einer stetig fortschreitenden Globalisierung, die vom Kino und anderen Medien wie Fotografie, Hörfunk und Regenbogenpresse nahezu unmerklich vorangetrieben wurde – neue ausländische Klänge und Rhythmen einführten. Die ersten fünfzig Jahre des Jahrhunderts standen somit unter dem Motto „Singen macht glücklich“, eine Redewendung, die über lange Jahre hinweg ein musikalisches Repertoire (reduzierend) beschrieb, welches, trotz seines eingeschränkten Wirkungspotentials, stets am Puls der Zeit stand und eine außerordentliche Vielfalt an Schauplätzen und Darstellungsformen involvierte: Vom Café-concert, über das Cabaret, das Varietee, das Avantspektakel, die Revue, die Operette und den Ballsaal bis hin zu Kino und Theater.
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